Als 4.012 Menschen in Serbien zu potenziellen Lebensrettern wurden

Wie aus der Suche nach einem Stammzellspender eine Aktion wurde, die ganz Niš bewegte.
Im Juli 2011 führte uns eine besondere Reise nach Serbien. Der Grund war Tomislav Cvetkovic, ein junger Mann aus Niš, der an akuter lymphatischer Leukämie erkrankt war. Nach einem Rückfall stand fest, dass er eine Stammzelltransplantation brauchte. Das Problem war nur: Unter den damals weltweit registrierten potenziellen Spendern fand sich zunächst kein passender Mensch.
In Serbien selbst waren zu dieser Zeit gerade einmal rund 800 Stammzellspender registriert. Gemeinsam mit Prof. Dr. Nadežda Basara und weiteren Unterstützern entstand deshalb in Niš die Aktion „Schenk das Leben“. Die Stefan-Morsch-Stiftung finanzierte die Typisierungsaktion und wir machten uns mit einem Team aus Birkenfeld auf den Weg nach Serbien.
Und dann kamen die Menschen
Am 9. Juli 2011 sollte es morgens um neun Uhr losgehen. Schon vor Beginn standen die ersten Menschen Schlange.
Was dann passierte, war selbst für uns außergewöhnlich. Mehr als 30 Entnahmestellen arbeiteten gleichzeitig. Ärzte, Pflegekräfte und freiwillige Helfer waren im Einsatz, während immer mehr Menschen kamen, um sich als potenzielle Stammzellspender registrieren zu lassen.
Als die Aktion gegen 16 Uhr zu Ende ging, waren 4.012 Blutproben entnommen worden. Und vor dem Gebäude warteten noch immer Menschen.
Über viertausend an einem einzigen Tag. Damit wurde die Aktion in Niš zur ersten großen Stammzellspender-Aktion dieser Art in Serbien und brachte das Thema Stammzellspende dort mit enormer Aufmerksamkeit in die Öffentlichkeit.
Für Tomislav war der passende Spender nicht dabei
So beeindruckend das Ergebnis war, ausgerechnet für Tomislav fand sich unter den mehr als 4.000 neu registrierten Menschen kein passender Spender.
Die gute Nachricht kam wenig später aus Deutschland. Dort wurde schließlich ein Spender gefunden, dessen Gewebemerkmale nahezu ideal passten.
Damit hatte die Aktion Tomislavs unmittelbares Problem zwar nicht gelöst. Sie hatte aber etwas anderes erreicht: Innerhalb weniger Stunden hatten sich Tausende Menschen mit Stammzellspende beschäftigt und waren bereit gewesen, einem ihnen unbekannten Menschen eine Chance auf Leben zu geben.
Das ist mir von diesem Tag besonders in Erinnerung geblieben.
Und dann war da noch die Sache mit der Personalvermittlung
Eine Geschichte wäre bei mir vermutlich keine richtige Geschichte, wenn am Ende nicht noch etwas Ungeplantes passieren würde.
Prof. Basara lernte während der Aktion Dr. Milovanovic kennen. Sie hospitierte anschließend zwei Monate im HLA-Labor und entschied sich später, ihre medizinische Laufbahn in Flensburg fortzusetzen. Jahre später erinnerte sich Prof. Basara deshalb nicht nur an unsere Unterstützung in Niš, sondern bedankte sich bei mir ganz nebenbei auch als „Personalvermittler“.
War so nicht geplant. Hat aber offenbar funktioniert.





